Dr. Dr. Martin Balluch in Heidelberg

Dr. Dr. Martin BalluchAm Mittwoch sind wir nach Heidelberg zum Vortrag “Das naturwissenschaftliche Argument für Tierrechte” von Dr. Dr. Martin Balluch gefahren. Da wir schon relativ früh in Heidelberg angekommen waren, hatten wir vor dem Vortrag noch Zeit für einen kurzen Stadtbummel inklusive Imbiss. (Fast) pünktlich um 20:15 (im Heidelberger Universitätsdeutsch: 20 Uhr c.t.) waren wir dann aber im Hörsaal, wo bereits ca. 50 andere ZuhörerInnen gespannt auf den Beginn von Balluchs Vortrag warteten.

Im ersten Teil seines Vortrags präsentierte Balluch eine logische (und relativ abstrakte) Herleitung der Tierrechte. Ich war erstaunt, wie Balluch einen so schwer fassbaren Begriff wie “Bewusstsein” einem strengen Formalismus unterwarf und in diesem Zusammenhang z.B. mit dem Gödelschen Unvollständigkeitssatz argumentierte. Um Balluchs Gedankengänge zu beurteilen und zu würdigen wird man sicherlich nicht um die Lektüre seines Buches “Die Kontinuität von Bewusstsein – das naturwissenschaftliche Argument für Tierrechte” herumkommen. Da ich dieses Buch nur vom Titel her kannte, war ich überrascht, dass Balluch in seinem Vortrag die Meinung vertrat, dass Bewusstsein nur entweder voll oder gar nicht vorhanden sein kann. (Balluch zog einen Vergleich mit dem unstetigen Einsetzen der Supraleitfähigkeit – eine klare Diskontinuität!)

Im zweiten Teil seines Vortrags referierte Balluch dann über seine (praktische) Tierrechtsarbeit. Durch gezielte politische Kampagnen war es ihm und seinen MitstreiterInnen in der Vergangenheit gelungen, herausragende Erfolge für den Tierschutz in Österreich zu erzielen (Verbot von Pelztierfarmen, Verbot von Wildtieren in Zirkussen, Verbot von Legebatterien..). Diese Erfolge führten Mitte dieses Jahres schließlich dazu, dass der Österreichische Staat mit einer bis dahin nicht für möglich gehaltenen Bespitzelungs-, Einschüchterungs- und Gewaltaktion den Tierschutz im eigenen Land außer Gefecht setzte. Dr. Dr. Balluch wurde im Rahmen dieser Aktion unter Berufung auf den Anti-Mafiaparagraphen, der eine Verfolgung auch ohne Nachweis irgendeiner konkreten Straftat erlaubt, über 100 Tage in Untersuchungshaft gehalten! (Dr. Dr. Balluch äußerte sich zu den Repressalien am 30. Oktober in einem Interview.)

Abschließend bestand für das Publikum noch die Möglichkeit mit Dr. Dr. Balluch über seinen Vortrag zu diskutieren. Dabei trug insbesondere eine Heidelberger Psychologin (und Mutter von “einem”) durch mehr oder weniger unqualifizierte Fragen und Statements zur allgemeinen Erheiterung bei. :-)

Wer wollte konnte nach dem offiziellen Teil noch in einem nahegelegenen Restaurant mit Dr. Dr. Balluch weiterdiskutieren. Wir Karlsruher traten allerdings in Anbetracht der fortgeschrittenen Stunde den Heimweg an.

Verfasst von Hjalmar


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Ein Kommentar zu “Dr. Dr. Martin Balluch in Heidelberg”

  1. Hjalmar
    31. Dezember 2008 um 20:18

    Die Videoaufzeichnung des Vortrags ist inzwischen im Internet unter http://www.ag-tierethik.de/vortraege.htm#balluch verfügbar.

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