Philosophie – Schluss mit dem Vegetierischen

Über ein neues Verhältnis von Mensch und Tier

Bernhard H.F. TaureckViele Menschen haben Zweifel, ob sie das Recht haben, Tiere zu essen. Längst gibt es schließlich gute Alternativen auf dem Markt, längst weiß man, dass pflanzliche Proteine für eine gesunde Ernährung ausreichend sind, längst ist bekannt, dass Tiere in kognitiver und emotionaler Hinsicht komplex sind: “Sie verstehen und können viel mehr, als wir wahrhaben wollen. Deshalb besteht Aufklärungs- und Handlungsbedarf,” meint Bernhard H. F. Taureck, Professor für Philosophie aus Braunschweig, und plädiert damit für einen Perspektivwechsel im Namen des Tieres.

Mehr dazu, sowie eine 30-minütige Hörprobe, unter SWR2.

Sein Fazit lautet: „Wenn wir nichts finden, was eine Überlegenheit der Menschen über die Tiere begründet, dann dürfen wir Tiere nicht essen, nicht in medizinischen Experimenten quälen und töten [...].“

Verfasst von Silke


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2 Kommentare zu “Philosophie – Schluss mit dem Vegetierischen”

  1. Silke
    11. April 2008 um 01:34

    Apropos Philosophie:
    Der Philosoph Helmut F. Kaplan http://www.tierrechte-kaplan.org hat im letzten Interview des VEBU http://www.vebu.de (veröffentlicht im Magazin “Natürlich Vegetarisch”) folgendes gesagt:

    “Alles, worin wir uns vom Steinzeitmenschen unterscheiden, vom Zähneputzen bis zur Anerkennung der Menschenrechte, ist nicht die Folge einer biologischen Bestimmung, sondern das Ergebnis einer kulturellen Entwicklung [...].
    Die ethisch entscheidende Frage ist also nicht: Welche Ernährung entspricht von Natur aus dem Menschen? Sondern: Welche Ernaehrung entspricht VON KULTUR AUS dem Menschen?”

  2. Silke
    28. August 2009 um 04:20

    Haben Tiere moralische Rechte? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?
    Die Moral verlangt: Gleiches soll gleich behandelt werden (Gleichheitsprinzip). Sind nicht-menschliche Tiere, die wir für unsere Nahrung, für Dinge des täglichen Gebrauchs, sowie für medizinische Versuche nutzen, den Pflanzen näher als den Menschen?
    Nur Tiere, die Rechte und Pflichten haben, können vollen moralischen Status genießen und daher Mitglieder der moralischen Gemeinschaft sein, sagt Fox. Nur Geschöpfe mit kritischem Selbstbewusstsein und der Fähigkeit, komplexe Konzepte zu manipulieren, können Rechte und Pflichten haben. Da fallen die Tiere heraus.
    Regan meint, dass anhand dieser Kriterien viele Kinder und retardierte Erwachsene aus der moralischen Gemeinschaft herausfallen würden.
    Singer erweitert die Kriterien. Geschöpfe sind moralische Wesen, weil sie leiden können. Nicht, weil sie denken, Bewusstsein haben, die Zukunft in Angriff nehmen etc.
    Wie stark wiegen die Interessen dieser Tiere? Wie stark sollen/müssen sie berücksichtigt werden?
    Wenn alles Leid gleich behandelt werden soll, dann dürfen Tiere nicht benachteiligt werden. Für Frey soll den Menschen wie Tieren das größtmögliche Glück zur Verfügung stehen. Er ist wie Singer ein Handlungsutilitarist. Da aber Tiere emotional und kognitiv nicht so weit sind wie die Menschen, haben sie nach Frey weniger Rechte. Ihr Leben ist ärmer.
    Wenn also der Nutzen im Umgang mit Tieren größer ist als die Kosten, dann dürfen wir mit ihnen forschen. Wenn ich an einem retardierten Menschen ein Humanexperiment machen kann, um für viele Menschen ein wichtiges Medikament zu bekommen, dann soll ich das nach Frey tun.
    Henry Sidgwick sagte: Aus der Sicht des Universums ist das Gute für ein Individuum nicht wichtiger als das Gute für ein beliebig anderes Individuum.

    Fazit: Wenn ein Wesen leidet, dann gibt es keine moralische Rechtfertigung dafür, das Leiden nicht in seinen Überlegungen zu berücksichtigen.

    Quelle: Stephan P. Leher, Angewandte Moraltheologie, Kapitel 6 Tierethik

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